Absichtslose Berührungen für die Yoni

Das Wort Yoni kommt aus dem Sanskrit und bezeichnet das weibliche Geschlecht, und zwar in einem ganz allumfassenden Sinne. Es meint alle Genitalteile zusammen: die Vulva, die Vagina, die Klitoris, den Uterus und die Eierstöcke. Für Yoni gibt es im Deutschen keinen äquivalenten Begriff. Wir können höchstens sagen, der weibliche Schoßraum. Im Tantra wird die Yoni als Tor des Lebens und als Schöpfungsort bezeichnet und sogar als heiliger Tempel. Hier kommt eine große Wertschätzung der Yoni zum Ausdruck, die sich auf die weibliche Sexualität übertragen lässt.

In der Yonimassage nun möchten wir diesen heiligen Ort ehren und den Verletzungen der Yoni entgegenwirken, indem diese durch neue Lustempfindungen quasi überschrieben werden. In der herkömmlichen Sexualität geht es den meisten Frauen nämlich meistens zu schnell. Sex ist in der Regel nicht genug frauengerecht und frauenfreundlich. Sexualität ist vielfach ziel- und orgasmusfixiert und lässt zu wenig Raum für wirkliche Lust und Hingabe der Frauen.

Deshalb ist das Ziel der Yonimassage, einen heiligen Raum zu eröffnen, in dem sich die Frau ganz neu empfinden kann, ihre Lust, ihren Körper, ihre Sinnlichkeit anders wahrnimmt, ein neues Fühlen möglich wird, und sich ihre Yoni in ihrer vollen Schönheit wie ein heiliger Tempel zeigen kann. Gefühlsausdrücke wie Tränen, Lachen, Wut, Lust oder Freude dürfen sich während der Yonimassage entfalten. Alte Verletzungen dürfen hochkommen, damit sie gesehen werden und abfließen, d.h. losgelassen werden. Diese gehen zum Beispiel auf früheren unachtsamen Sex zurück oder auf Enttäuschungen durch Partnerschaften oder auch auf Operationen im Genitalbereich. Es können hier aber auch tiefere Verletzungen sein, sexueller Missbrauch oder alte Muster, die durch emotionale Abfälligkeiten schon in der Kindheit oder sogar im Familiensystem entstanden sind. Generell wird Sexualität oft abgewertet und diffamiert, was im Falle der Yoni zum Beispiel durch Sätze wie „Du blöde F…“ zum Ausdruck kommt. Diese gestörten Verhältnisse zur Yoni und zur weiblichen Lust dürfen in der Yonimassage heilen. Das neue Lust- und Wohlfühlen bzw. Bei-sich-sein durch die Massage überschreibt alte Wunden und öffnet so das Tor für die Akzeptanz des alten Schmerzes und die Integration dieses Schmerzes in einen veränderten (geheilten) Umgang damit in der Gegenwart.

Der Nutzen der Yonimassage liegt darin, dass die Frauen ein neues Fühlen ihres Körpers kennenlernen, mehr Selbstvertrauen erreichen und womöglich eine befreite Sexualität kennenlernen. Vielleicht wird eine ganz neue Ära des Liebeslebens, eine neue Weichheit mit sich selbst und seiner Weiblichkeit für die Frauen erreicht.

Ich leite die Yonimassage in Berlin und Hamburg in der Regel für Gruppen in meinen Seminaren an.
Beim Ablauf der Massage ist das „Wie“ wichtiger als das „Was“. Der Gebende hält Blickkontakt, setzt seine Stimme ein und schenkt seine volle Präsenz, um der Empfangenden das Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln. Alle Handlungen werden langsam ausgeführt. Die Zeit spielt eine große Rolle, es soll wirklich ein Miteinander entstehen und ein völliges Sich-Einlassen. Es wird ein Raum der Absichtslosigkeit eröffnet, das heißt, die gebende Person steht ganz im Dienst der Frau, die sich die Yonimassage schenken lässt, und der Gebende stellt seine eigenen Ziele, zum Beispiel selbst Lust zu empfinden, ganz zurück und ist Kanal für Heilung.
Für die Frauen gilt, dass sie ihre Grenzen wahren und in ihrem Inneren alles zulassen, was sie im Moment spüren.

Wir beginnen die Yonimassage, indem wir wirklich diesen gemeinsamen Raum und dieses Vertrauen aufbauen. Dafür wird es einführende Übungen geben, wie zum Beispiel eine Herz-zu-Herz-Berührung, ein Ausstreichen des ganzen Körpers, ein Miteinander ankommen mit viel Blickkontakt, mit sanfter Stimme und gemeinsamen Atmen. Dann wird nicht gleich zur Yoni hin gewechselt, sondern wir beginnen in der Yonimassage tatsächlich nicht bei der Yoni, sondern bei den Brüsten. Die Brüste sind der eigentliche Kraftpol der Weiblichkeit, man denke an die Nahrungsspende, das Stillen, es ist ein gebender starker Pol. Die Brüste haben eine direkte Verbindung in die Yoni, – das ist durch die Schöpfungskraft der Yoni, die Geburt und das Stillen angelegt. Die Brüste bereiten die Yoni darauf vor, sich zu öffnen für die anschließenden heilsamen Berührungen, die ihnen durch den Gebenden zuteil werden. Nach der Brustmassage kommen wir dann zur äußeren Yoni-Massage, bei der der Bauch, der Venushügel, die Oberschenkel und die Vulva-Lippen berührt und sanft massiert werden. Und erst danach gibt es Handgriffe für die innere Yonimassage. Hierbei wird vor allen Dingen die G-Fläche und auch im Wechsel die Klitorisperle sanft massiert. Vor jedem nächsten Schritt wird die Frage gestellt, ob die Empfangende dazu bereit ist.

Wir lassen uns für die Yonimassage immer sehr viel Zeit und gehen Schritt für Schritt vor, sodass die Frauen ganz in ihrem körperlichen Spüren ankommen können. Nach den heilsamen Berührungen und Massagegriffen gibt es eine Erdung, ein sogenanntes Grounding, und bei diesem Grounding atmet die empfangende Frau ein ganz neues Körperfühlen ein. Zum Abschluss gibt es ein Sharing und eine Nachruhzeit. Ganz am Ende liegen die Empfangende und der Gebende gemeinsam im Löffelchen, um nachzuspüren, wenn das von beiden gewünscht ist. Namasté.

Für fortgeschrittene Frauen kann es in der Yonimassage auch so sein, dass sie selbst den gebenden Part gut und sicher indirekt führen, indem sie Hinweise hinsichtlich der Festigkeit und Langsamkeit der Berührungen geben.