Absichtslose Berührungen für den Lingam

Das Wort Lingam kommt aus dem Sanskrit und bezeichnet das männliche Genital, und zwar in einem ganz allumfassenden Sinne. Es meint alle Genitalteile zusammen: den Schaft mit der Eichel, den Hoden und die Prostata. Für „Lingam“ gibt es im Deutschen keinen äquivalenten Begriff. Wir können höchstens sagen, der männliche Schoßraum. Im Tantra wird der Lingam als Heilsbringer, Königszepter und Lichtstab bezeichnet. In diesen blumigen Begriffen kommt eine große Wertschätzung des Lingams zum Ausdruck. Der Lingam ist nicht nur ein Fortpflanzungswerkzeug, sondern repräsentiert Aktivität, Zielorientierung, Willens- und Entscheidungskraft und gilt als der zentrale Kraftpol der männlichen Sexualität.

In der herkömmlichen Sexualität steht der Lingam meistens unter einem enormen Leistungsdruck. Er muss zum richtigen Zeitpunkt stehen, er muss zum richtigen Zeitpunkt kommen. Auch die Vergleiche der Männer untereinander, auch wenn diese nicht immer beabsichtigt sind, sondern auch indirekt geschehen, tragen zum Druck auf den Lingam bei. Ist er zu groß, zu klein, zu dick, zu schlaff, zu dünn? Diese Vergleiche begleiten das Leben eines Mannes von der Kindheit an, über die Jugendzeit bis ins erwachsene Leben.

Darüber hinaus wird dem Lingam vielfach auch im sexuellen Geschehen Ablehnung und sogar Verachtung zuteil. Wenn Sexualpartner*innen keine Lust auf Sex haben und die Gründe hierfür eher mit anderen Dingen zu tun haben wie mit schlechter Kommunikation, kann es sein, dass trotzdem der Lingam und seine sexuelle Kraft zurückgewiesen wird. Das hinterlässt beim Lingam Spuren von Verletzungen, was aber den Männern oft nicht immer bewusst ist.

Das Ziel der Lingammassage ist es, für den Mann einen heiligen Raum zu eröffnen, in dem der Lingam wertgeschätzt wird. Dies ist Voraussetzung dafür, dass ein Raum der Heilung eröffnet werden kann, Heilung zum einen hinsichtlich des oft zu hohen Leistungs- und Vergleichsdrucks, der auf dem Lingam lasten mag, und zum anderen Heilung der Ablehnung durch eine konfliktreiche Sexualität.

Der Nutzen der Lingammassage liegt darin, dass der Mann ein neues Fühlen kennenlernen kann und zwar jenseits schneller Triebbefriedigung. In der freien Wildbahn läuft die Sexualität meistens so ab, dass schnell und direkt ein Orgasmus angestrebt wird. Hier bei der Lingammassage nehmen wir dieses Ziel ganz raus. Der Mann darf seinem Lingam ein ganz neues Spüren schenken, sodass er auf eine Art Plateau der Lust entführt wird – ganz ohne Ejakulation.

Darin kann die Lingammassage Heilung bringen, denn ohne Leistungsdruck entsteht Raum die Details des körperlichen Spürens wahrzunehmen und die einzelnen Massagegriffe der Lingam-Berührungen voll und ganz auszukosten und tief ins Herz aufzunehmen. Durch bewusste Atmung wird das Spüren verstärkt.

Die Gebenden sind bei der Lingammassage Kanal für Liebe und Heilung und dienen dem Lingam und den Männern, damit sie sich fallen lassen können und sich und ihren Lichtstab anders als gewohnt empfinden lernen.

Die Gebenden lassen sich bei allem, was sie tun insbesondere den ausgesuchten Massagehandgriffen für den Lingam, viel Zeit, um auch den Empfangenden das Gefühl des Miteinanders und der Ruhe zu vermitteln. Die Männer sollten sich ganz hingeben und sich auf das Nehmen einlassen.

Es scheint manchmal bei den Gebenden eine gewisse Scheu davor zu bestehen, einen ihnen vorher nicht bekannten Lingam zu massieren. Doch für die Gebenden ist diese Massage ebenfalls heilsam, denn sie können durch die Lingammassage ihr Verhältnis zum männlichen Kraftpol klären und stärken. Zum einen heilen sie negative Begegnungen mit Männern in ihrem Leben und zum anderen lernen sie neue Formen der Berührung eines Lingams (Expertise) kennen, durch die sie die Weichheit und Verletzlichkeit des Mannes besser spüren und ihm nahekommen.

Der Mann ist aufgefordert, nicht nur auf die Lust seines Lingams zu schauen, sondern diese Lust in sein Herz zu übertragen, um sich innerlich am Herz berühren zu lassen. Er darf die ihm zuteilwerdende Sanftheit, Achtsamkeit und Präsenz in sich aufnehmen.

Ich leite die Lingammassage in Berlin und Hamburg in der Regel für Gruppen in meinen Seminaren an.
Beim Ablauf der Massage ist das „Wie“ wichtiger als das „Was“. Die Gebende hält Blickkontakt, setzt ihre Stimme ein und schenkt ihre volle Präsenz, um dem Empfangenden, das Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln – wobei sie natürlich auf ihre Grenzen gut achtet. Alle Handlungen werden langsam ausgeführt. Es soll wirklich ein Miteinander entstehen und ein völliges Sich-Einlassen. Es wird ein Raum der Absichtslosigkeit eröffnet, das heißt, die gebende Person steht ganz im Dienst des Mannes. Die Gebende stellt ihre eigenen Ziele, zum Beispiel selbst Lust zu empfinden, ganz zurück.

Nach den heilsamen Berührungen und Massagegriffen gibt es eine Erdung, ein sogenanntes Grounding, und bei diesem Grounding atmet der empfangende Mann ein ganz neues Körperfühlen ein. Zum Abschluss gibt es ein Sharing und eine Nachruhzeit. Wenn es von beiden Seiten gewünscht ist, legen sich am Ende der Massage der Empfangende und die Gebende gemeinsam in die Löffelchen-Position. Namasté.