Was heißen die Worte „Ich liebe Dich“ eigentlich wirklich?
Die Liebe gilt generell im Leben als große Kraft, so auch im Tantra. Wir laden sie zum Beispiel zur Unterstützung bei tantrischen Ritualen ein.
In Liebesbeziehungen etwa sprechen wir das Liebesbekenntnis gerne aus, um dem anderen unsere Liebe zu bekunden. Was heißt es aber genau, wenn ich die Worte „Ich liebe Dich“ zu jemandem sage?
Wenn ich diese Worte vielleicht einem/r Partner/in sage, dann stimme ich in den Lobgesang der Schöpfung mit ein, der immer schon zu diesem Menschen geflossen ist und fließt und sie oder ihn anerkennt und wertschätzt. Wenn ich die Worte sage, dann unterstreiche ich, dass ich diese Person in eben dieser göttlichen Art und Weise liebe, nämlich so wie die Person von der Schöpfung gemacht wurde. Das heißt, meine Liebe ist nichts Besonderes oder Außergewöhnliches, es ist meine Einwilligung in das So-Sein meines Gegenübers, wie er oder sie immer schon geliebt wurde. Ich möchte dann nichts an diesem Menschen verändern, verbessern oder anders haben.
Manchmal fällt uns das nicht leicht, weil wir etwas am anderen zu kritisieren haben. Doch, wenn ich es sage, sollte ich alles an ihr oder ihm akzeptieren. Ich sollte den anderen dann als sündenlos, rein und frei sehen und zu allem an ihm „ja“ sagen. Die göttliche Schöpfung hat diese Person genauso geschaffen und deshalb ist sie richtig so, wie sie ist. Ich sollte also die Heiligkeit und Ganzheit in meinem Gegenüber sehen, wenn ich sage „Ich liebe Dich“.
Es kommt noch ein interessanter Aspekt hinzu. In dem Moment, in dem ich den anderen so liebe, wie er gemacht wurde, und sie oder ihn komplett annehme, wie er oder sie ist, wertschätze und akzeptiere ich auch mich selbst. Das heißt, ich sage den Satz „Ich liebe Dich“ nicht nur meinem Gegenüber, sondern indirekt auch zu mir. Denn mein Gegenüber und ich sind gleich und gleichwertig. Die Gesetze der Schöpfung gelten für uns beide. Auch für mich gilt das Prinzip der allgemeinen Liebe. Das ist eine Art Spiegelverhältnis oder Echo. Wenn ich zustimme, dass mein Gegenüber so richtig ist, wie er oder sie gemacht wurde, dann stimme ich auch zu, dass ich so richtig bin, wie ich gemacht wurde. Daraus entsteht Selbstliebe. Die Liebe nämlich ist immer schon da. Ich brauche sie nicht erst produzieren, sondern mich einfach nur an der Liebe beteiligen, quasi in den Fluss der göttlichen, allgemeinen Liebe mit hinein springen. Und wenn ich dort hineinspringe, dann sage ich „ja“ zur Originalität des anderen Menschen und ebenso zu meiner eigenen Originalität. So wie ich den anderen Menschen in seinem So-Sein liebe, weil er Teil der Schöpfung ist, so liebe ich mich ebenso auf die gleiche Art und Weise selbst. Die Liebe in diesem Satz fließt zum anderen Menschen und gleichzeitig zu mir, weil auch gleichermaßen für mich selbst die Liebe der Schöpfung gilt.
Es ist deshalb auch nicht unbedingt nötig, dass der andere Mensch meinen Satz „Ich liebe Dich“ mit dem gleichen Satz „Ich liebe Dich“ beantwortet. Es ist zwar schön, aber nicht notwendig, um erfüllte Liebe zu fühlen. Denn die göttliche Liebe selbst erfüllt mich voll und ganz, wenn ich die Schönheit der Seele eines seiner Wesen lobe.
Welche Rolle spielt hierbei nun die Sexualität? Mit Hilfe der Sexualität kann ich mit einem Menschen sehr schnell in den gemeinsamen Raum der göttlichen Liebe hineinkommen. Dies gelingt aber nur, wenn wir beim Sex nicht nur den Körper meinen und den anderen für einen bestimmten Zweck benutzen, etwa die schnelle Befriedung unserer Orgasmus-Lust. Sondern die sinnlich-sexuelle Begegnung ist primär eine Begegnung der Seelen. Das wird in unserer Konsum-Kultur oft schnell vergessen. Unsere Seelen treffen sich durch und in unseren Körpern, die Tempel unserer Seelen sind, verbinden sich und öffnen so den Raum der Heiligkeit und des Augenblicks. Indem wir den anderen in dem So-Sein wertschätzen, sehen wir die allgemeine Liebe der Schöpfung in ihm und haben so das Gefühl von Zeitlosigkeit und Ewigkeit.
>> Diese Gedanken sind inspiriert durch „Ein Kurs in Wundern“, Textbuch, schaue hier ein Video von mir dazu
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